Viele neigen dazu, Kriterien für Objektivität zu erstellen, entweder explizit durch Methodologien oder eher implizit durch kulturkritischen Anregungen darüber, dass man sich Kontingenzen und kulturellen Voraussetzungen der eigenen Positionen bewußt sein sollte. All dem liegt die Annahme zugrunde, daß Objektivität in die Tätigkeit den einzelnen Forschers verlegt werden könnte, daß er, wenn er nur die richtige Methode anwendet oder sich seiner eigenen Verhaftetheit bewußt wird, sozusagen das Subjektive vermeiden könnte.

Liegt der Ausweg nicht viel eher in einem radikalen Bekenntnis zur Subjektivität? Und ist der wichtigste Teil dieses Bekenntnisses nicht der Versuch, den eigenen Standort zu klar wie möglich zu benennen und nicht hinter methodologischen Diskussionen oder kulturphilosophischen Standort-Überlegungen zu verstecken? In diesem Sinne wäre Golo Manns Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts positiv zu bewerten: Mann sagt nämlich sehr klar, wo er steht und was er denkt — und bietet damit Anregung zu Kritik und Revision, zu Intersubjektivität, die weit mehr von Objektivität hat als alle starren, autorfixierten Ansätze.

Das nur, weil mir dieser ganze inhaltsleere methodologische Kram und die ortlose Orthaftigkeit, die sich an Universitäten und Forschungsanträgen immer mehr breitmacht, zunehmend auf die Nerven geht.

3 Antworten zu “Das Objektive ist subjektiv”

  1. Andreas sagte

    Methodologischer Kram: Ach, find ich schon ganz gut, besonders wenn man vergleichbare Forschungsergebnisse haben möchte. Dabei beziehe ich mich allerdings eher auf numerisch erfassbare Ergebnisse.

    Zum pseudo-objektivem Schreibstil will ich noch sagen, dass auch ich den inzwischen nur noch schwer tolerieren kann. Ich mag einfach keine drögen, vor Passivsätzen strotzenden 1-Absatz-pro-Seite-ist-genug-Texte mehr lesen. Informationen, die hängenbleiben sollen, brauchen raue Stellen.

  2. [...] eigen – die sie gerade zur eigentlichen Neutralität macht. (So sieht das übrigens auch snaut.) Posted in Blick auf Deutschland, Britisches, Wissenschaft, Allgemeines, Studium [...]

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